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In Deutschland gibt es durchaus vielfältige Meinungen zum Tauchen von Babys und Kleinkindern. Die Spanne reicht von vehementer Ablehnung bis hin zu unreflektierter Zustimmung. Ich habe allerdings bisher kaum Positionen kennen gelernt, die der Komplexität dieses Themas gerecht werden.
Es kann nicht ausreichen, nur mit dem Stichwort Vertrauensmissbrauch gegen das Tauchen zu argu- mentieren ( vgl. CHEREK 1998 S.26 ). Genauso wenig genügt es, das bloße Vorhandensein eines Atemschutzreflexes als einzigen Indikator für das Tauchen auszulegen (vgl. RAABE-OETKER 1998 S.93 / AHREND in Sportpraxis 1/2000 S.44 ).
Will man zu einer Meinung gelangen, so müssen pädagogische Grundfragen, lern- und handlungstheoretische Überlegungen, medizinische Vertretbarkeit und nicht zuletzt auch die weitere Schwimmbiographie eines Kindes berücksichtigt werden.
Ich persönlich und auch wir in der Schwimmschule Delphin sind der Ansicht, dass Tauchen ein wichtiger und sinnvoller Bestandteil eines Babyschwimmkurses ist. Allerdings gilt das unter folgenden Voraussetzungen:
• Eltern müssen sicher im Handling ihres Babys sein • Eltern müssen Bereitschaft zum Babytauchen mitbringen • klare Regeln müssen eingehalten werden • der Übungsleiter muss sehr genau wissen, was er tut, sicher sein und diese Sicherheit den Eltern weitervermitteln
• es gilt Situationen zu schaffen, in denen die Babys intervenieren können
Entgegen einiger Darstellungen in der Literatur ( vgl. CHRERK 1998 S. 27 ), habe ich noch nie ein Baby erlebt, welches sich durch sachgerechtes Tauchen den Spaß am Wasser verderben ließ. Es ist eher so, dass Babys die tauchen können auf ein z.B. unvorhergesehenes Fallen von der Matte besser reagieren. Diese Babys lassen sich die Laune nicht durch ein bisschen Wasser in der Nase verhageln. Sie kehren ganz schnell ins normale Geschehen zurück. Ein Verhalten, dass sich als bemerkenswerte Handlungsfähigkeit im Umgang mit dem Wasser auslegen lässt.
Verschiedene Tauchmethoden Alle mir bekannten Tauchmethoden mit Ausnahme der von AHREND beschriebenen Wassergussmethode, basieren auf der Annahme, dass durch verschiedene Stimulierungen bei den Babys ein Atemschutzreflex ausgelöst wird, der es verhindert, dass die Babys beim Untertauchen Wasser aspirieren. Die Schlussfolgerungen daraus enden in allen Fällen in einer WENN-DANN-ALSO Argumentation.
• WENN ich dem Baby Wasser über den Kopf gieße DANN wird der Atemschutzreflex ausgelöst ALSO kann ich das Baby untertauchen • WENN ich dem Baby Wasser ins Gesicht spritze DANN wird der Atemschutzreflex ausgelöst ALSO kann ich das Baby untertauchen • WENN ich das Baby anpuste DANN wird der Atemschutzreflex ausgelöst ALSO kann ich das Baby untertauchen • WENN ich das Baby vor dem Tauchen aus dem Wasser hebe DANN wird der Atemschutzreflex ausgelöst ALSO kann ich das Baby untertauchen
Es wird also davon ausgegangen, dass in jedem Fall der Reflex ausgelöst wird, und dass dementsprechend in jedem Fall mit dem Baby getaucht werden kann.
Das ist aber definitiv nicht der Fall.
Es gibt viele Kinder, bei denen ein Reiz nicht ausreicht, um den Atemschutzreflex auszulösen. Diese Kinder bräuchten ein stärkeres Signal um nach oben beschriebenen Methoden überhaupt erfolgreich zu tauchen.
Vergessen wird bei dieser Argumentation auch die emotionale Bereitschaft des Babys zum Tauchen. Es ist durchaus möglich, dass ein Baby Wasser über den Kopf bekommt, und mit negativen Emotionen auf dieses Ereignis reagiert. Würde ein solches Kind getaucht werden, wäre die Möglichkeit, dass das Kind eine negative Erfahrung macht groß. Genau an diesem Punkt setzen die Gegner des Babytauchens an, die der Meinung sind durch das Tauchen die Kinder in eine Situation zu zwingen, gegen die sie sich nicht wehren können und in die sie nicht hineinwollen. Um es klar zu sagen: genau das ist mit der oben genannten Argumentation auch oft der Fall weil die Kinder nicht gefragt werden, ob sie tauchen wollen oder besser ausgedrückt, weil die Erwachsenen sich die Chance nehmen auf die Signale des Kindes zu achten. Genau an diesem Punkt liegt allerdings auch die Chance für ein pädagogisch unbedenkliches Babytauchen. AHREND beschreibt in diesem Zusammenhang die so genannte Wassergussmethode deren Grundansatz ich kurz erläutern möchte.
Die Wasserguss-Methode Grundidee ist eine Kombination aus Reflektorischem und Adaptivem Handeln. AHREND geht nicht davon aus, dass ein Reiz ausreicht um die Babys auf das Tauchen vorzubereiten. Sie hat vielmehr festgestellt, dass Kinder auf bestimmte Reize adaptiv reagieren. Sie erwarten nach einem Reiz eine zugehörige Aktion. Sie denken gewissermaßen im Voraus. Wenn ein Baby also Wasser über den Kopf bekommt, dann antizipiert es, dass als nächste Aktion ein Tauchgang folgt. Es hat nun die Möglichkeit zu reagieren. Das geschieht in aller Regel auf emotionaler Ebene. Der Übungsleiter hat nun die Möglichkeit auf diese Emotionen zu reagieren. Bei positiver und neutraler Reaktion kann das Baby getaucht werden, bei negativer Reaktion wird das Baby nicht getaucht.
Vorsicht Ich habe das Babytauchen im Vorangegangenen lediglich kurz theoretisch beschrieben. Um erfolgreich mit Babys zu tauchen ist in jedem Fall eine ausführliche praktische Einweisung nötig. Innerhalb unserer Babyschwimmkurse gibt es die Möglichkeit bei erfahrenen Kursleitern praktische Erfahrungen mit dem Thema Tauchen zu sammeln, wenn man die eigenen Kurse gern um das Babytauchen erweitern möchte.
Literatur [Ahrend 2001] Ahrend, Lilli: Säuglingsschwimmen. Meyer und Meyer Sport, 2001
[Cherek Dortmund 1998] Cherek, Reiner: Säuglings- und Kleinkinderschwimmen. Verlag Modernes Lernen, Dortmund 1998
[Raabe-Oetker Niedernhausen 1998] Raabe-Oetker, Anke: Babyschwimmen. Falken Verlag, Nie- dernhausen 1998
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