Elterninformationen


Chlor und Asthmagefahr beim Babyschwimmen?
Babyschwimmen
Samstag, den 29. Januar 2011 um 08:17 Uhr

Stellungnahme zur Diskussion über Chlor und Asthmaerkrankungen bei Kindern

Update Herbst 2011:

Neue Zusammenfassung des Themas vom Bundesumweltamt. Hier werden die Meldungen vom Frühjahr 2011 stark relativiert.

http://www.schwimmschule-delphin.de/daten/Trichloramin_fulltext.pdf

 

Hintergrund:

Auf Grundlage einer Mitteilung des Bundesumweltamtes gingen im Januar 2011 mehrfach Berichte durch die Presse, in denen davor gewarnt wurde, allergiegefährdete Babys und Kleinkinder zum Schwimmen zu schicken. Durch die Verbindung von Chlor mit Urin, Schweiß etc. entsteht die Substanz Trichloramin, die im Verdacht steht, bei eben diesen Kindern durch Einatmen Asthma hervorzurufen.


Zur Erklärung:

In Deutschland schreibt die DIN 19643 die Verfahren zur Wasseraufbereitung in öffentlichen Schwimmbädern vor. Nach dieser DIN müssen in allen öffentlichen Bädern (auch wenn in einer Vorstufe mit OZON gearbeitet wird) mind. 0,3 mg/l Chlor dem Beckenwasser zudosiert werden.Im Wasser bindet das eingesetzte Chlor sofort Urin, Schweiß, Hautschuppen, Kosmetika und Mikroorganismen. Damit wird eine Vermehrung verhindert und das Wasser so schnellstens gereinigt. Bei dieser chemischen Reaktion entstehen  allerdings Desinfektionsnebenprodukte (u.a. die genannten Trichloramine). Diese verdunsten, verursachen im Übrigen den typischen Schwimmbadgeruch und werden zwangsläufig von den Schwimmbadbesuchern eingeatmet. 
Das Bundesumweltamt beruft sich auf Studien, die Anlass dazu geben, dass sich genau diese eingeatmeten Nebenprodukte negativ auf die Entwicklung des Lungengewebes von Säuglingen auswirken könnten, so dass dann ein erhöhtes Risiko bestünde, an allergischem Asthma zu erkranken.


Relativierend ist folgendes anzumerken:


In der Pressemitteilung selbst ist zu lesen, dass noch kein gesicherter Zusammenhang zwischen den Trichloraminen und einem Asthmarisiko ermittelt wurde. 

Es wird eine belgische Studie aus 2003 angesprochen, die u.E. aber keine Bedeutung für Deutschland haben kann, da die Chlorgrenzwerte im Wasser bei uns bedeutend niedriger liegen.

In der Pressemitteilung ist auch zu lesen, dass in über 90 Prozent der Bäder in der Luft Trichloraminwerte gemessen wurden, die deutlich unter den vorgeschriebenen Grenzwerten liegen. Die übrigen 10 Prozent stammen aus Bädern mit veralteter und nicht DIN-konformer Technik.

Auch der Verband der Kinder- und Jugendärzte im Netz relativiert die Mitteilung des Bundesumweltamtes entschieden, hebt die positiven Effekte des Babyschwimmens hervor und warnt vor Panikmache. Rauchen in der Umgebung eines Kleinkindes sei beispielsweise weitaus risikoreicher einzuschätzen als das Babyschwimmen.

Fazit:

Es bestehen Verdachtsmomente, die einen Zusammenhang zwischen dem frühen Aufenthalt in gechlorten Schwimmbädern bei Kindern mit Vorbelastung und allergischen Asthmaerkrankungen vermuten lassen. Deshalb ist es notwendig, dass weiterführende Studien vorgenommen werden. Die Forschung zur Aufklärung findet unseren absoluten Zuspruch, um die optimale Sicherheit unserer Kinder zu gewährleisten. 
Dennoch darf bei der Beurteilung des Babyschwimmens insgesamt nicht außer Acht gelassen werden, welche positiven Auswirkungen das Schwimmen auf die Gesamtentwicklung der Kinder hat. Die Vorteile überwiegen unserer Meinung nach dem (möglichen) Nachteil bei weitem. An dieser Stelle sei Dr. Andreas Hellmann, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der Pneumologen zitiert: „ Das Allergierisiko ist insgesamt gestiegen. Welchen Anteil Schwimmbäder haben, ist ungeklärt.“ Auf das Schwimmen zu verzichten hält er daher für völlig falsch. Gerade für Asthmatiker sei das Schwimmen die ideale Sportart. Unseren längjährigen Erfahrungen zu Folge können wir dies bestätigen. Viele unserer Kunden teilen uns die positiven Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder immer wieder mit. Die bereits gesicherte Erkenntnis, dass Chlor mit Stickstoffverbindungen reagiert, macht es allerdings im Rahmen der Eigenkontrolle zwingend erforderlich, sehr genau auf die Einhaltung der Baderegel „Vor dem Schwimmen duschen!!!“ zu achten. Jeder Badbesucher kann so durch gründliches Duschen VOR dem Schwimmen wesentlich zur Reduzierung schädlicher Nebenprodukte beitragen und ist daher in einem gewissen Maße mit verantwortlich für die Wasserqualität.


Quellen:


Stellungnahme des BVKJ:

http://www.kinderaerzte-im-netz.de/bvkj/aktuelles1/show.php3?id=3781&nodeid=26&nodeid=26&query=chlor


Pressemitteilung Bundesumweltamt:

http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/2011/pd11-001_babyschwimmen_asthmagefahr_durch_desinfektion_mit_chlor.htm

 


 
Das Tauchen beim Babyschwimmen
Babyschwimmen
Geschrieben von: Christian Zwengel   
Freitag, den 28. August 2009 um 10:10 Uhr
In Deutschland gibt es durchaus vielfältige Meinungen zum Tauchen von Babys und Kleinkindern. Die Spanne reicht von vehementer Ablehnung bis hin zu unreflektierter Zustimmung. Ich habe allerdings bisher kaum Positionen kennen gelernt, die der Komplexität dieses Themas gerecht werden.

Es kann nicht ausreichen, nur mit dem Stichwort Vertrauensmissbrauch gegen das Tauchen zu argu- mentieren ( vgl. CHEREK 1998 S.26 ). Genauso wenig genügt es, das bloße Vorhandensein eines Atemschutzreflexes als einzigen Indikator für das Tauchen auszulegen (vgl. RAABE-OETKER 1998 S.93 / AHREND in Sportpraxis 1/2000 S.44 ).
Will man zu einer Meinung gelangen, so müssen pädagogische Grundfragen, lern- und handlungstheoretische Überlegungen, medizinische Vertretbarkeit und nicht zuletzt auch die weitere Schwimmbiographie eines Kindes berücksichtigt werden.
Ich persönlich und auch wir in der Schwimmschule Delphin sind der Ansicht, dass Tauchen ein wichtiger und sinnvoller Bestandteil eines Babyschwimmkurses ist. Allerdings gilt das unter folgenden Voraussetzungen:

• Eltern müssen sicher im Handling ihres Babys sein
• Eltern müssen Bereitschaft zum Babytauchen mitbringen
• klare Regeln müssen eingehalten werden
• der Übungsleiter muss sehr genau wissen, was er tut, sicher sein und diese Sicherheit den Eltern weitervermitteln
• es gilt Situationen zu schaffen, in denen die Babys intervenieren können

Entgegen einiger Darstellungen in der Literatur ( vgl. CHRERK 1998 S. 27 ), habe ich noch nie ein Baby erlebt, welches sich durch sachgerechtes Tauchen den Spaß am Wasser verderben ließ. Es ist eher so, dass Babys die tauchen können auf ein z.B. unvorhergesehenes Fallen von der Matte besser reagieren. Diese Babys lassen sich die Laune nicht durch ein bisschen Wasser in der Nase verhageln. Sie kehren ganz schnell ins normale Geschehen zurück. Ein Verhalten, dass sich als bemerkenswerte Handlungsfähigkeit im Umgang mit dem Wasser auslegen lässt.

Verschiedene Tauchmethoden
Alle mir bekannten Tauchmethoden mit Ausnahme der von AHREND beschriebenen Wassergussmethode, basieren auf der Annahme, dass durch verschiedene Stimulierungen bei den Babys ein Atemschutzreflex ausgelöst wird, der es verhindert, dass die Babys beim Untertauchen Wasser aspirieren. Die Schlussfolgerungen daraus enden in allen Fällen in einer WENN-DANN-ALSO Argumentation.

• WENN ich dem Baby Wasser über den Kopf gieße DANN wird der Atemschutzreflex ausgelöst ALSO kann ich das Baby untertauchen
• WENN ich dem Baby Wasser ins Gesicht spritze DANN wird der Atemschutzreflex ausgelöst ALSO kann ich das Baby untertauchen
• WENN ich das Baby anpuste DANN wird der Atemschutzreflex ausgelöst ALSO kann ich das Baby untertauchen
• WENN ich das Baby vor dem Tauchen aus dem Wasser hebe DANN wird der Atemschutzreflex ausgelöst ALSO kann ich das Baby untertauchen

Es wird also davon ausgegangen, dass in jedem Fall der Reflex ausgelöst wird, und dass dementsprechend in jedem Fall mit dem Baby getaucht werden kann.
Das ist aber definitiv nicht der Fall.
Es gibt viele Kinder, bei denen ein Reiz nicht ausreicht, um den Atemschutzreflex auszulösen. Diese Kinder bräuchten ein stärkeres Signal um nach oben beschriebenen Methoden überhaupt erfolgreich zu tauchen.
Vergessen wird bei dieser Argumentation auch die emotionale Bereitschaft des Babys zum Tauchen. Es ist durchaus möglich, dass ein Baby Wasser über den Kopf bekommt, und mit negativen Emotionen auf dieses Ereignis reagiert. Würde ein solches Kind getaucht werden, wäre die Möglichkeit, dass das Kind eine negative Erfahrung macht groß.
Genau an diesem Punkt setzen die Gegner des Babytauchens an, die der Meinung sind durch das Tauchen die Kinder in eine Situation zu zwingen, gegen die sie sich nicht wehren können und in die sie nicht hineinwollen. Um es klar zu sagen: genau das ist mit der oben genannten Argumentation auch oft der Fall weil die Kinder nicht gefragt werden, ob sie tauchen wollen oder besser ausgedrückt, weil die Erwachsenen sich die Chance nehmen auf die Signale des Kindes zu achten.
Genau an diesem Punkt liegt allerdings auch die Chance für ein pädagogisch unbedenkliches Babytauchen. AHREND beschreibt in diesem Zusammenhang die so genannte Wassergussmethode deren Grundansatz ich kurz erläutern möchte.

Die Wasserguss-Methode
Grundidee ist eine Kombination aus Reflektorischem und Adaptivem Handeln. AHREND geht nicht davon aus, dass ein Reiz ausreicht um die Babys auf das Tauchen vorzubereiten. Sie hat vielmehr festgestellt, dass Kinder auf bestimmte Reize adaptiv reagieren. Sie erwarten nach einem Reiz eine zugehörige Aktion. Sie denken gewissermaßen im Voraus. Wenn ein Baby also Wasser über den Kopf bekommt, dann antizipiert es, dass als nächste Aktion ein Tauchgang folgt. Es hat nun die Möglichkeit zu reagieren. Das geschieht in aller Regel auf emotionaler Ebene. Der Übungsleiter hat nun die Möglichkeit auf diese Emotionen zu reagieren. Bei positiver und neutraler Reaktion kann das Baby getaucht werden, bei negativer Reaktion wird das Baby nicht getaucht.

Vorsicht
Ich habe das Babytauchen im Vorangegangenen lediglich kurz theoretisch beschrieben. Um erfolgreich mit Babys zu tauchen ist in jedem Fall eine ausführliche praktische Einweisung nötig. Innerhalb unserer Babyschwimmkurse gibt es die Möglichkeit bei erfahrenen Kursleitern praktische Erfahrungen mit dem Thema Tauchen zu sammeln, wenn man die eigenen Kurse gern um das Babytauchen erweitern möchte.

Literatur
[Ahrend 2001] Ahrend, Lilli: Säuglingsschwimmen. Meyer und Meyer Sport, 2001

[Cherek Dortmund 1998] Cherek, Reiner: Säuglings- und Kleinkinderschwimmen. Verlag Modernes
Lernen, Dortmund 1998

[Raabe-Oetker Niedernhausen 1998] Raabe-Oetker, Anke: Babyschwimmen. Falken Verlag, Nie-
dernhausen 1998
 
Schwimmwindeln beim Babyschwimmen
Babyschwimmen
Donnerstag, den 27. August 2009 um 09:06 Uhr

Eine der ersten Fragen zum Babyschwimmen betrifft meistens die Badebekleidung der Babys. Auf dem Markt gibt es eine vielzahl unterschiedlicher Schwimmwindeln, Badehosen, Badeanzüge, etc. damit die Babys beim Schwimmen gut angezogen sind.

Aber warum sollen die Babys beim Schwimmen überhaupt etwas anhaben? Ganz einfach: damit bei einem eventuellen "großen Geschäft" davon nichts ins Wasser gelangt. Urin gelangt durch jede Badehose/Schwimmwindel ins Wasser, ist bei gesunden Babys aber keimfrei und deshalb nicht weiter tragisch. Stuhlgang sollte dagegen auf jeden Fall vom Wasser ferngehalten werden.

Die Badehöschen der Babys sollten zwei wichtige Eigenschaften haben. Erstens sollen sie an den Beinchen der Babys eng abschließen, damit dort nichts herausfallen kann. Zweitens sollten sie möglichst keinen eigenen Auftrieb haben, da dadurch den Babys das Schwimmen erschwert wird.

In unserer Praxis haben sich enge Frotteehöschen bewährt, vielleicht eine Nummer kleiner als im trockenen, da sie im Wasser etwas weiter werden. Diese Höschen sind günstig zu kaufen, mehrfach wiederzuverwenden und stören die Kinder nicht beim Schwimmen.