China in 18 Tagen

Ja, tatsächlich schon die dritte China-Ausbildungsreise innerhalb von nur dreizehn Monaten, also ziemlich verrückt. Nun sieben Städte im Osten und Nordosten des Riesenreiches, nämlich Shanghai, Suzhou, Ruian , Zhengzhou, Shenyang, Tianjin und Peking. Mit Ausnahme von Ruian, was nach chinesischen Maßstäben als ein „kleiner Vorort“ von Wenzhou mit nur knapp drei Millionen Einwohnern gilt, sind die übrigen Städte alles unvorstellbar große Megazentren mit Einwohnerzahlen zwischen acht bis knapp 30 Millionen Einwohnern – da werden europäische Metropolen schnell zu Dorfgemeinschaften.
Wird man nach den Höhepunkten der Reise gefragt, huschen hunderte Wahnsinnserlebnisse und ebenso viele kleine Begebenheiten durch den Kopf. War es der Hinflug im Airbus A-380? Waren es die riesigen Hochhaussiedlungen, der vollkommen chaotische wie reibungslos
funktionierende Straßenverkehr, die nachts phantastisch beleuchteten Citys, die Longmen-Grotten, der Shaolin-Tempel oder der Teemarkt in Shenyang, die verbotene Stadt in Peking oder der Ausflug auf der großen Mauer? Waren es die unvorstellbaren Menschenmassen in jedem Airport und Bahnhof?
War es die lebensgroße eigene Karikatur als Pappkamerad oder das Begrüßungsbanner in jedem Eingangsbereich der sieben tollen Schwimmschulbäder oder die Seminare und praktischen Ausbildungen der jungen Schwimmschulteams, die alle eine beeindruckende Wissbegierigkeit zeigten? Waren es diverse Übungsstunden des „Ausländers“, die genau so abliefen wie in Beckedorf – sogar nahezu lautlos und in denen (warum wohl?!) bislang superänstliche Kinder plötzlich problemlos mitmachten?
War es der freundliche und herzliche Umgang innerhalb der Teams, vom Chef bis zur Putzfrau? Oder war es die überwältigende Gastfreundschaft, die bis in die Verehrung und Hofierung des ausländischen Gastes reichte, von dem wirklich jeder ein gemeinsames Foto haben musste? Waren es die Unterkünfte, ausschließlich 4- oder 5-Sterne-Hotels? Waren es die Galaempfänge mit viel Presse- und TV-Auftrieb in ebensolchen Hotels, wiederum als Ehrengast hervorgehoben, interviewt und hundertfach mit allen Gästen abgelichtet? Waren es die Einblicke in die chinesische Geschichte, die mir der Dolmetscher in Zhengzhou gab – ein Jurist mit Doktortitel, im Hauptberuf Dozent für Verwaltungsrecht an der dortigen Universität? Waren es die durchaus reizvollen Widersprüche zwischen aktueller Maoverehrung, zur Schau gestelltem Reichtum, buddistischem Glauben und praktiziertem Kapitalismus?
War es die Gewissheit, dass das Aquapädagogikbuch in Kürze gleich in zwei chinesischen Ausführungen (für Lehrer und Eltern) jeweils mit der
DVD zur Veröffentlichen kommen wird – angeblich als erstes Buch zu diesem Thema in ganz China?
Nein, ich kann beim besten Willen keinen Punkt hervorheben – kann nur dankbar sein und mich darüber freuen, dies alles erleben zu dürfen und bereits die nächsten Einladungen mit zurück gebracht zu haben. Der bisherige Blick durch´s Schlüsselloch auf dieses Riesenreich ist wahrlich großartig – und ich darf zukünftig noch mehr davon sehen, wieder als Einzelperson unter echten Freunden und nicht als herdenmäßig vorangetriebener Pauschaltourist. Ein wirklich großes Glück!
Und weil Bilder mehr als viele Worte sagen, will ich versuchen, so schnell wie möglich eine Zusammenfassung von Fotos sowie eigenen und TV-Aufnahmen zu erstellen, um sie in unseren Schwimmschulen zeigen zu können.

Uwe Legahn